Kommentar
«Epstein-Länder» und «Mullah-Staat»
Warum uns die Welt als «Epstein-Länder» bezeichnet
von Robert Seidel*
(8. Mai 2026) Muss man es als blanke Propaganda werten, wenn der «Wertewesten» in anderen Weltgegenden als «Epstein-Länder» verschrien wird? – Natürlich ist es Propaganda. – Genauso, wie es Propaganda ist, wenn man den Iran als «Mullah-Staat» bezeichnet. Während im Iran tatsächlich eine Art Theokratie herrscht, fällt es dem informierten Leser schwer mit dem Begriff «Epstein-Länder» etwas anzufangen. Wieso «Epstein-Länder»? Was haben wir mit Epstein zu tun? In den Staaten des mittleren Ostens und des Südens sieht man das offenbar anders.
«Epstein» ist heute zu einem Synonym für den politisch-finanziell und menschenverachtenden Filz westlicher Führungseliten geworden. Ausser im Westen selbst. – Deshalb eine Erinnerung.
Kontakte bis in die Spitzen
Aus den «Epstein-Files» ist inzwischen bekannt geworden, dass Jeffrey Epstein über ein Netzwerk von Kontakten bis hinein in die Schaltstellen der politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Entscheidungszentren «pflegte».1 Epstein war über «Freunde» über die grössten Geschäfte informiert – weltweit.2 Streng geheime Dokumente konnte er als Insider nutzen.3 Über seine «Kontakte» konnte Jeffrey Epstein verschiedene Entscheidungen und Entwicklungen in Regierungen, Konzernen oder Institutionen beeinflussen oder sogar initiieren.4 Daraus zog Epstein für sich und sein Umfeld enorme persönliche Vorteile – ohne moralische Skrupel.Schockiert meinte Nancy Mace, eine Abgeordnete des US-Kongresses, nachdem sie im Februar 2026 in die ungeschwärzten Epstein-Files blicken durfte, dass da so viele einflussreiche Politiker involviert seien, dass es kaum zu ernsthaften Konsequenzen kommen würde.5
Wer war Jeffrey Epstein?
Jeffrey Epstein war nicht irgendjemand. Um sein Wirkungsfeld zu umschreiben, seien drei Beziehungen aus seinem E-Mail-Verkehr erwähnt. – In einem E-Mail an Peter Thiel (Palantir) bezeichnete er sich als Repräsentant der einflussreichen Bankiersfamilie Rothschild. – Ein enger Kontakt Epsteins war der spätere Premier Israels Ehud Barak. Er war einer seiner Ausbildner im Mossad. – Gemeinsam mit diesem und Peter Thiel investierte er in Firmen im israelischen Überwachungs- und Spionage-Bereich. Firmen, deren Produkte in Gaza und Libanon heute eingesetzt werden.6
Weltweiter krimineller Filz
Epsteins umfangreicher E-Mail-Verkehr liest sich wie ein «Who-is-who» westlicher Eliten. Seine E-Mail-Kontakte umfassten zum Beispiel den «Philanthropen» Bill Gates, der über einen enormen Einfluss auf die Weltgesundheitsorganisation WHO verfügt. Mit diesem besprach er neben privaten Inhalten auch Themen wie Pandemien und Impfungen – und zwar schon lange vor der Covid-Pandemie.7 Epsteins Aktivitäten reichten dabei bis nach Genf in die WHO-Zentrale.
Aber eben, das alles wäre schon alarmierend korrupt: Ein Filz aus Beziehungen ausserhalb jeder demokratischen Kontrolle bis hinein in die allerhöchsten Entscheidungsebenen. Ein Geben-und-Nehmen zum gegenseitigen Vorteil auf Kosten anderer.
Missbraucht, geschwängert und umgebracht
Den medialen «Epstein-Skandal» haben Meldungen entfacht, dass Minderjährige auf seiner Privatinsel geschwängert, gefangen gehalten und zum Teil auch umgebracht worden seien. Pikant ist, dass Epstein ein beliebter Gastgeber westlicher Eliten war – eben auf dieser Insel. Mit versteckten Kameras und Mikrophonen verschafften sich Epstein und damit seine Auftraggeber ein umfangreiches Erpressungsmaterial über führende Persönlichkeiten.
Selbst nachdem 2008 gerichtlich festgestellt wurde, dass Jeffrey Epstein Minderjährige missbraucht, hielten die Besuche bei ihm an. Er selbst konnte 2008, während seiner «Strafe», die durch einen Vergleich entstand, relativ ungehindert seinen Geschäften nachgehen.
Zu viele «Unfälle» und «Selbstmorde»
Im Umfeld der Ermittlungen rund um den Fall Epstein kam und kommt es immer wieder zu erstaunlichen Ungereimtheiten, beispielsweise einer hohen Rate an «Selbstmorden» und «Unfällen». Wichtige Zeugen verunglücken tragisch, andere ziehen ihre Aussagen wieder zurück. Andrerseits darf Jeffrey Epsteins kriminelle Handlangerin, Gislaine Maxwell, eine Tochter des Medientycoons Robert Maxwell, eine kurze luxuriöse Vorzugshaft abbüssen. Aus dem direkten Umfeld Donald Trumps wurde veranlasst, ihre Haftbedingungen aussergewöhnlich zu verbessern.8
Parallelen zum Fall «Dutroux» in Belgien oder zu anderen unaufgeklärten Missbrauchsskandalen, in die hochrangige Politiker und Juristen verwickelt waren, fallen auf. Auch dort starben und verschwanden auffällig viele Zeugen und ehemalige Opfer.9
Die Frage, wie und wo die Minderjährigen für Epsteins Umfeld rekrutiert wurden und ob sie noch am Leben sind, bleibt offen.
Für eine Handvoll Milliardäre …
Die internationalen Verflechtungen im System Epstein bis in die allerhöchsten Entscheidungszentren des Wertewestens sprechen Bände über den Zustand der betroffenen Staaten.
Genannt seien hier exemplarisch einige europäische Kontakte wie der Norweger Borg Brende, der das World Economic Forum (WEF) leitete, Thorbjørn Jagland ehemaliger norwegischer-Regierungschef, Ex-Generalsekretär des Europarats und damaliges Mitglied im Nobelkomitee, die norwegische Botschafterin Mona Juul und ihr Ehemann, die unter anderem die Verhandlungen zum Oslo-Vertrag zwischen Israel und Palästina begleiteten. Der ehemalige britische Regierungsstabschef Morgan McSweeney, sein Landsmann Peter Mandelson, ehemaliger Minister Grossbritanniens, ehemaliger EU-Kommissar und am Ende seiner Karriere bis 2026 Botschafter in den USA, der französische Präsident Emmanuel Macron, der ehemalige Kulturminister Jack Lang, aber auch die ehemalige schwedische Präsidentin des UNHCR, Joanna Rubinstein. Das sind nur einige wenige Namen aus dem politischen Bereich, Epsteins Verhältnis zu seinen Kontakten war zum Teil sehr eng (Inselbesuche) oder verliefen über Mittelsmänner. (Ebenso vernetzt agierte Epstein in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur).
Politische und wirtschaftliche Entscheidungen über das Wohl von Millionen Menschen hängen an Beziehungsnetzen von willfährigen, korrupten oder erpressbaren Personen. Der Begriff «Epstein-Länder» nimmt Konturen an.
Donald Trumps und Jeffrey Epsteins Wege kreuzten sich in den 1980er Jahren. Ihr Freundes- und Bekanntenkreis hatte eine grosse Schnittmenge. Dazu gehörten auch sogenannt politische Gegner, wie zum Beispiel die Clintons, die selbst wiederum vielfältige Kontakte zu Jeffrey Epstein pflegten. Einige Personen aus dieser Schnittmenge sind heute mit wichtigen Funktionen in Trumps politischen Umkreis betraut.10
… und Trump mittendrin
Donald Trumps Wahlkampfversprechen, alle Epstein-Akten offenzulegen, entpuppte sich als hohles Gerede. Im Gegenteil. Der grösste Teil der Akten bleibt weiterhin geschlossen, die herausgegebenen Akten sind grösstenteils geschwärzt. Und Trump lässt keine offiziellen Ermittlungen mehr zu.
«Epstein»? Wer waren seine Auftraggeber? Inwieweit bestehen diese Strukturen heute noch? Eine offizielle Aufarbeitung der Verbindungen und Geschäfte steht immer noch aus. Einige Bauernopfer sind in verschiedenen europäischen Staaten gemacht worden und eine kurze Hausdurchsuchung in einer Filiale der Rothschild-Bank wurde durchgeführt.11 Das war’s. Das internationale Geflecht bleibt bestehen. Jeder deckt jeden. Ermittlungen werden sabotiert, aktiv verhindert oder erst gar nicht eingeleitet. Der Begriff «Epstein-Länder» wird konkreter.
Völkerrechtlich «perfide»
Nun führen einige «Epstein-Länder» einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Iran. (Die Motivation führt ins Epstein-Netzwerk zurück.12) Völkerrechtswidrig unter anderem deshalb, weil Ende Februar – mitten während der Verhandlungen mit Iran – eine der Verhandlungsparteien, nämlich die USA, einen militärischen Überraschungsangriff startete und dabei Raketen auf die iranische Führung abfeuerte. – Mitten in den Verhandlungen. – Völkerrechtlich wird dieses Verhalten als «perfide» klassifiziert. – Wer hat warum so entschieden und wer war beteiligt? «Epstein-Länder».
Es wird deutlich, dass weder das Regierungspersonal der USA noch Israels sich an die Regeln und Gesetze gebunden fühlen, die sich die Welt in den vergangenen 500 Jahren erarbeitet hat.13 Und gemeinsam an ihrer Seite, wenn auch medial verdeckt, das Regierungspersonal aus Grossbritannien, Frankreich und Deutschland.14 Wen soll’s wundern?
Man verdient sowohl an der Finanzierung der Kriege über Kredite (zum Kauf von Waffen, Ausrüstung, Sold etc.) als auch über die Kredite, die für die Finanzierung des Wiederaufbaus nötig werden.15 Die einfachen Bürger zahlen das Ganze unter Umständen mit ihrem Leben, aber sicher über Steuern, Abgaben und fehlende Sozialleistungen. Letztendlich alles nur, um den kriminellen Reichtum einiger Weniger zu mehren.
Jesus Christus oder Dschingis Khan
Dass dieser Krieg völkerrechtswidrig ist und fortwährend Kriegsverbrechen begonnen werden, hindert das Regierungspersonal westlicher Staaten nicht daran, diese Kriege fortzusetzen oder zu unterstützen.16 Sie werden auch nicht von ihren Parlamentariern oder Richtern daran gehindert.
Damit wird an Grundlagen gerüttelt. Recht-und-Gesetz aber auch Treu-und-Glaube werden missachtet. Es gilt im Westen das Recht des Stärkeren, des Hinterlistigeren. Passend fällt der Vergleich aus, den der israelische Premierminister Netanjahu zwischen Jesus Christus und Dschings Khan zieht.17 Dschingis Khan der Gewinner – Jesus als Looser. Der Vergleich ist bezeichnend für die Denkweise in diesen Kreisen.
«Epstein-Länder»
Während Mullahs religiösen Gesetzen und Regeln unterworfen sind, über die man sicherlich streiten kann, unterwirft der Wertewesten sich dem Gesetz des Stärkeren – und das sind offensichtlich kriminelle Netzwerke. – Eben «Epstein-Länder».
| * Robert Seidel schreibt als unabhängiger Autor für den «Schweizer Standpunkt». |
1 Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Jeffrey_Epstein, (Stand 27. April 2026)
Recherchen in den bisher veröffentlichten zum grössten Teil geschwärzten «Epstein-Files» fördern immer neue skandalöse Zusammenhänge ans Tageslicht. Aber nicht die Staatsanwälte der betroffenen Staaten engagieren sich an erster Stelle bei der juristischen Aufarbeitung, sondern investigative Journalisten. Sie erst drängen Untersuchungsbehörden dazu, aktiv zu werden. Parallel dazu scheint für die Mehrzahl der staatlich geförderten Medien der Fall nicht mehr interessant zu sein.
2 Insiderwissen bspw. zum Ukraine-Krieg, EU-Staatsanleihen, Pandemieplanung, Naher Osten
3 Z. B. https://de.euronews.com/2026/02/11/epstein-affare-frankreichs-aussenminister-schaltet-die-justiz-gegen-diplomaten-ein, 11. Februar 2026
4 Z. B. Finanzkrise Griechenland 2012: https://www.journal21.ch/artikel/die-krise-2010-2015-im-licht-der-epstein-files, 4. März 2026
5 Vgl. Nancy Mace, https://www.instagram.com/p/DUtYOpzFB1k/?img_index=2&igsh=ejF4eHJyaGxwOGpj, 13. Februar 2026
6 Vgl. https://corbettreport.substack.com/p/israeli-spying-after-epstein, 22. Februar 2026
7 Vgl. https://sayerji.substack.com/p/what-bill-gates-knows, 25. Februar 2026
8 Stefan Magnet, https://auf1.tv/stefan-magnet-auf1/ueber-jahrzehnte-erpressung-haelt-die-eliten-auf-linie-system-epstein-teil-4, 16. April 2026
9 Vgl. https://swprs.org/geopolitik-und-paedokriminalitaet/
10 Vgl. Collin McMahon. Die Akte Epstein. Rottenburg Dez. 2025,
vgl. Stefan Magnet, https://auf1.tv/stefan-magnet-auf1/ueber-jahrzehnte-erpressung-haelt-die-eliten-auf-linie-system-epstein-teil-4, 16. April 2026
11 https://sayerji.substack.com/p/rothschild-bank-raided-the-un-diplomat, 25. März 2026
12 Vgl. Alex Krainer, «From Epstein to Iran: Ghost Files Reveal Unreleased Millions and Rising Global Danger», https://www.youtube.com/watch?v=3f8Br4WGRRk, 5. Februar 2026,
vgl. https://phantompain1984.substack.com/p/kushner-porn-netanyahu-slept-in-jareds, 27. März 2026
13 Vgl.z.B. Völkerrecht, https://ome-lexikon.uni-oldenburg.de/begriffe/voelkerrecht
14 Entgegen offizieller Verlautbarungen unterstützen die genannten Regierungen den völkerrechtswidrigen Krieg der USA und Israels gegen Iran und Libanon indirekt mit Waffen (D, F, GB), Aufklärungsdaten (GB, F), Maritim (GB, D, F) oder stellen ihre Stützpunkte (GB, D) zur Verfügung.
15 Vgl. https://deanderekrant.nl/oorlog-en-vrede-als-verdienmodel/, 9. April 2026
16 Bombardierung von Schulen, Universitäten, Krankenhäusern, Elektrizitätswerken, Entsalzungsanlagen durch die USA und Israel.
17 «Die Geschichte beweist, dass Jesus Christus leider und unglücklicherweise keinen Vorteil gegenüber Dschingis Khan hat»… «Wir müssen stark sein. Wir müssen bewaffnet sein. Wir müssen mächtiger sein als die Barbaren, oder sie werden nicht nur am Tor sein; sie werden unsere Tore zerstören und unsere Gesellschaften zerstören». (Vgl. https://www.newsweek.com/netanyahu-jesus-christ-genghis-khan-remarks-11710457, 20. März 2026). Seit Nethanahu realisiert, welchen Imageschaden er mit seiner Äusserung anrichtet, versucht er sie ständig zu relativierten.