Zum militärischen Bündnis Schweiz–Israel

von Jacques Pilet,* Montreux VD

(14. August 2026) Der Rüstungschef Urs Loher reiste am 13. und 14. Juli nach Israel, um die Beziehungen zwischen den Rüstungsunternehmen beider Länder weiter zu festigen. In Europa unterhalten nur Deutschland und Rumänien eine ähnlich intensive Zusammenarbeit mit dem jüdischen Staat. Die Schweizer Neutralität wird bewusst verletzt. Still und leise. Selbst die SVP, die sich so gerne darauf beruft, sagt kein Wort dazu.

Jacques Pilet.
(Bild Wikipedia)

Was den Skandal noch verschärft, ist der Gegenstand der Gespräche. Für die Schweiz geht es in erster Linie darum, alte, ins Stocken geratene Verträge zu regeln. Die berühmten Grenzüberwachungsdrohnen für 300 Millionen, die im Winter unbrauchbar sind und während des Fluges begleitet werden müssen. Die Finanzkontrolle hatte im vergangenen Mai eine «unbefriedigende» Projektführung festgestellt und zu ehrgeizige Ziele sowie lückenhafte Planung und Steuerung beanstandet. Diese traurige Geschichte ist noch lange nicht vorbei.

Weniger bekannt sind die Lieferverzögerungen und technischen Probleme bei einem weiteren Auftrag: Im Oktober 2019 vergab Armasuisse dem israelischen Unternehmen Elbit Systems einen Beschaffungsauftrag im Umfang von 377 Millionen Franken für Funkgeräte, Bordsprechanlagen und Kopfhörer mit Mikrofon zur Ausrüstung von rund 1800 Militärfahrzeugen.

Elbit wurde dem anderen Bewerber, der deutschen Roschi Rohde & Schwarz AG, die in der Schweiz stark vertreten ist, vorgezogen. Auch hier gab es einen grossen Rückschlag. Die Lieferungen verzögern sich, die Technik hält nicht Schritt. Die Blindheit des Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS gegenüber Israel ist seit Jahren auffällig. Unsere «Experten» gingen sogar so weit, die bestellten Drohnen im Golan, einem besetzten syrischen Gebiet, zu testen … ohne zu wissen, wo sie sich befanden.

Eine schamlose Parteilichkeit zugunsten Israels

Bundesrat Martin Pfister hat nicht die geringste Absicht, sich aus diesem Schlamassel zu befreien. Er ist offensichtlich bereit, die militärische Zusammenarbeit mit Israel fortzusetzen und gegebenenfalls sogar zu vertiefen. Damit verrät er alle unsere Grundsätze. Die Neutralität und die Ethik der internationalen Beziehungen.

Im Februar haben 25 Schweizer Anwälte Ignazio Cassis bei der Staatsanwaltschaft des Internationalen Strafgerichtshofs wegen Beihilfe zu den von Israel in Gaza begangenen Verbrechen angezeigt. Sie fordern die Einleitung einer Untersuchung gegen den Bundesrat, da sie der Ansicht sind, dass die Schweiz gegen die Genfer Konventionen verstösst und das humanitäre Völkerrecht missachtet.

Sollten nicht die Namen der Herren Pfister und Loher dieser Anzeige hinzugefügt werden? Die Lieferung von sogenanntem Schweizer Dual-Use-Material (ziviler und militärischer Verwendungszweck) an Israel stellt einen Verstoss gegen unser geltendes Recht dar.

Sind wir uns der Tragweite dieser militärischen Verbindungen zu einem Staat bewusst, der Gebiete besetzt und tyrannisiert, die ihm nicht gehören, der sich im Libanon breitmacht, der in Syrien interveniert und dort Fuss fasst und nur davon träumt, den Krieg gegen den Iran zu verschärfen? In Bezug auf den Nahen Osten ruft das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) zaghaft zur Beruhigung und zu Verhandlungen auf, doch das VBS zeigt unverhohlen seine Parteinahme für den Hauptkriegführenden. Die Schweiz opfert munter ihre Glaubwürdigkeit. Sie verhängt eine Vielzahl von Sanktionen gegen den russischen Aggressor in der Ukraine, macht aber gleichzeitig Geschäfte mit einem Staat, der mit mehreren seiner Nachbarländer Krieg führt.

Parteiische Medien und eine blinde Öffentlichkeit

Im Parlament protestiert die Linke nur leise. Ihre Motion gegen den Export von Militärgütern wurde abgeschmettert. Sie wurde von der FDP, der Mittepartei und der SVP in die Minderheit gedrängt, wobei letztere nicht einmal ihre eigenen Widersprüche erkennt. Was die deutschschweizerische Öffentlichkeit betrifft, die von den grossen Medien – allen voran der «Neue Zürcher Zeitung» – beeinflusst wird, verschliesst sie die Augen vor den Machenschaften eines kriminellen Staates und folgt dabei der Softpower Deutschlands, das Israel bedingungslos unterstützt.

Selbst der Chefredaktor der Weltwoche, der ansonsten der Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges und der vorherrschenden Russophobie gegenüber sehr kritisch ist, hält sich in der Israel-Frage nicht zurück, ganz im Gegenteil. Im vergangenen Mai ging er sogar so weit, das Konzept von «Gross-Israel» zu verteidigen: «Keine schlechte Idee», wie er meinte, denn es würde … «mehr Frieden, mehr Wohlstand und mehr Demokratie im Nahen Osten» bedeuten.

Die Westschweizer hingegen, die sich zahlreicher gegen die israelische Kriegsführung aussprechen und über unser militärisch-kommerzielles Wirrwarr kaum informiert sind, lassen diese Berner Probleme einfach an sich vorbeiziehen. Keine Zeile, kein Wort in den Medien über die Reise von Urs Loher und seine schmutzigen Verträge.

Wenn man darüber nachdenkt, ist das Verblüffendste daran, dass die Schweizer diesen Machenschaften scheinbar gleichgültig gegenüberstehen, obwohl ihre politischen Grundsätze über den Haufen geworfen werden.

*  Jacques Pilet (geboren 1943) ist ein Schweizer Journalist. Von 1967 bis 1981 war er Redaktor in verschiedenen Zeitungen und Fernsehjournalist beim Westschweizer Fernsehen TSR. Danach gründete er verschiedene neue Schweizer Publikationen und besetzte verschiedene Kaderstellen im Schweizer Medienkonzern Ringier.

Quelle: https://www.antithese.info/articles/lalliance-militaire-suisse-israel/, 23. Juli 2026

(Übersetzung «Schweizer Standpunkt»)

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