Schweiz – Kambodscha
Meilensteine der Kantha Bopha-Spitäler – gestern und heute
von «Stiftung Kinderspital Kantha Bopha»*
(24. April 2026) Die Geschichte der Kantha-Bopha-Spitäler ist ein beeindruckendes Kapitel humanitärer Hilfe.
Gründer der Spitäler. (alle Bilder zvg)
1992 bauten die Schweizer Kinderärzte Beat Richner (1947–2018) mit seinem Kollegen Peter Studer (1947–2020) auf Wunsch des Königs das Spital in Phnom Penh wieder auf, das nach dem Krieg in Schutt und Asche lag. 1999 öffnete im Norden des Landes das Jayavarman VII-Spital seine Türen. Heute versorgen wir an beiden Standorten mit fünf Krankenhäusern und einer Geburtsklinik täglich rund 3000 Kinder und haben über 2700 Arbeitsplätze für Einheimische geschaffen.
In den vergangenen 34 Jahren entstand ein Netzwerk, das heute rund 85 Prozent aller kranken und verletzten Kinder Kambodschas kostenlos behandelt. Die Kindersterblichkeit im Land ist in dieser Zeit kontinuierlich gesunken.
Kindersterblichkeit unter 5 Jahren in Kambodscha
| 1975 | über 20 Prozent |
| 1980 | über 16 Prozent |
| 1990 | über 12 Prozent |
| 2000 | 4,8 Prozent |
| 2010 | 4,4 Prozent |
| 2020 | 2,6 Prozent |
| Heute | 2,2 Prozent |
Für gesunde Herzen
Anfang der 1990er-Jahre behandelte das Team vor allem Kinder mit Unterernährung und Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Hirnentzündungen und Dengue-Fieber. Gerade bei Tuberkulose war es wichtig, nicht nur die akut Erkrankten zu behandeln, sondern die ganzen Familien. Damit sie sich nicht gegenseitig erneut ansteckten.
Dieser Ansatz zeigte bald Wirkung – die Kindersterblichkeit sank kontinuierlich bis auf 4,4 Prozent im Jahr 2010. Nach genauer Analyse der Daten war dann rasch klar, dass die meisten der verbleibenden Todesfälle auf Herzerkrankungen zurückzuführen sind. Das war der Startschuss für Beat Richners «Herz-Projekt», das er mit Professor Dr. med. Oliver Kretschmar vom Universitäts-Kinderspital Zürich ins Leben gerufen hat: 2011 eröffnete in Siem Reap die erste Abteilung für Herzchirurgie und das erste Herzkatheterlabor für Kinder in Kambodscha, 2019 wurde die Herzchirurgie auch in Phnom Penh eingeführt. Jährlich werden heute über 1100 Herz-Eingriffe und -Operationen durchgeführt.
Weiterbildung und Modernisierung
Neonatologie-Stationen für Frühchen mit Intensivmedizin und Pflege wie auch Intensivstationen für ältere Kinder sind entstanden. Weitere Schulungen sind dazugekommen in Fachgebieten wie Gastroenterologie (Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts), Viszeralchirurgie (Eingriffe an Organen im Inneren der Bauch- und Beckenhöhle), Geburtshilfe und Gynäkologie, Nephrologie (Nierenerkrankungen), Orthopädie (Bewegungsapparat), Neurochirurgie (operative Eingriffe am zentralen und peripheren Nervensystem) und Infektiologie. Weiter sind die bildgebenden Geräte für eine korrekte Diagnose stets modernisiert und die neuesten Techniken entsprechend geschult worden.
Die Weiterbildung der einheimischen Mitarbeitenden wird bis heute von Fachpersonen des Universitäts-Kinderspitals Zürich und aus weiteren Schweizer Spitälern durchgeführt. Je nach Thematik erfolgen die Einsätze in Kambodscha jährlich oder alle zwei Jahre – das Teaching und der fachliche Austausch finden allerdings nicht nur während dieser medizinischen Missionen vor Ort statt, sondern rund ums Jahr dank Sitzungen per Telefon, Videokonferenzen und einem Austausch über E-Mail.
erhalten eine adäquate Therapie.
Hoffnung für Kinder mit Krebs
Während Leukämien bei Kindern in Phnom Penh bereits seit nahezu zwei Jahrzehnten behandelt werden, begannen wir im Herbst 2023 unter der Leitung von Professor Dr. med. Felix Niggli, ehemaliger Chefarzt der Onkologie am Kinderspital Zürich, auch andere Krebserkrankungen zu therapieren – darunter Leber-, Nieren- und Hirntumore. Voraussetzung für eine adäquate Behandlung solcher Tumoren ist eine präzise Diagnosestellung. Mit der Unterstützung eines Pathologen aus der Schweiz konnte das bislang rudimentäre Labor gezielt weiterentwickelt werden.
Zwar stehen auch heute nicht immer sämtliche diagnostischen Möglichkeiten zur Verfügung, und das therapeutische Spektrum ist im Vergleich zu Europa weiterhin begrenzt. Dennoch konnte inzwischen bei mehreren hundert Kindern mit Krebserkrankungen eine wirksame Tumorkontrolle erreicht werden. Darüber hinaus besteht eine enge Zusammenarbeit zwischen den Spitälern in Phnom Penh. So erhalten Kinder, die bei uns behandelt werden, eine erforderliche Radiotherapie in einem anderen Krankenhaus der Stadt.
Regelmässig finden zudem Videokonferenzen in Form sogenannter Tumorboards statt, an denen Kolleginnen und Kollegen aus Kambodscha gemeinsam mit einem Expertenteam aus der Schweiz einzelne Krankheitsfälle besprechen. Die erzielten Fortschritte machten es schliesslich möglich, seit Herbst 2025 auch Kinder mit Krebserkrankungen im Kinderspital von Siem Reap zu behandeln. An beiden Standorten engagieren sich hochmotivierte Teams, die mit grossem Einsatz und innerhalb der vorhandenen Möglichkeiten krebskranke Kinder betreuen. Da nicht alle Kinder geheilt werden können, gehört mittlerweile auch die Organisation einer würdevollen palliativen Betreuung zu ihren wichtigen Aufgaben.
Abschied von den Gründern
Alle diese Entwicklungsschritte sind nach und nach erfolgt und waren aus medizinischer Sicht sinnvoll und nötig. Leider mussten wir diesen Weg in den vergangenen Jahren ohne unsere beiden Gründer gehen: 2017 ist Beat Richner aus gesundheitlichen Gründen in die Schweiz zurückgekehrt und im September 2018 verstorben. Sein guter Freund und Wegbegleiter Peter Studer ist im Mai 2020 verstorben.
Zurückgeblieben sind ihre Mitarbeitenden in Kambodscha und die Mitglieder des Stiftungsrates in der Schweiz – gemeinsam haben wir alle die Spitäler im Sinne und mit dem Spirit der Gründer weiterentwickelt. Die Kantha-Bopha-Spitäler sind Beat Richners und Peter Studers Vermächtnis – zu einem grossen Teil von Schweizer Spenden getragen, mit dem enormen Einsatz der kambodschanischen Spitalleitung geführt und international anerkannt. Täglich werden hier Leben gerettet. Nachhaltig, professionell, zukunftsorientiert.
«When Life hurts, Siem Reap heals»
(sv) Der Medizinstudent Jan Han hat 2025 während zwei Monaten im Spital Siem Reap der «Stiftung Kantha Bopha» ein Praktikum absolviert. Von seinen Erlebnissen im Spital und Reisen im Land ist er «reich beschenkt» und begeistert zurückgekehrt. Unter dem Namen «When Life hurts, Siem Reap heals» stellt er seine Fotografien aus dieser Zeit in der Photobastei in Zürich aus. Bilder mit dem Namen «War and Peace», «Girl from Kep» oder «Balance Act» geben Einblicke in den kambodschanischen Alltag und können erworben werden. Die Erlöse kommen der Stiftung zugute.
Ort: Photobastei, Sihlquai 125, CH-8005 Zürich (https://www.photobastei.ch/site/activity-details?id=848)
Finissage: 2. Mai 2026, Ende der Ausstellung 3. Mai 2026
peripheren Nervensystem u.a. werden täglich durchgeführt.
Was bringt die Zukunft?
Die hohen Standards in den einzelnen Fachgebieten werden gepflegt und wo nötig optimiert. Auch die psychische Gesundheit rückte in den vergangenen Jahren in den Fokus: So stehen an beiden Standorten für die Kinder nun Psychiaterinnen im Einsatz, die wenn immer nötig für die Behandlungen mitbeigezogen werden.
Für Professor Dr. med. Ky Santy, Spitaldirektor in Phnom Penh, ist die geplante Einführung der Hämodialyse bei akutem Nierenversagen ein Lichtblick: «Die neue Behandlung wird Kinder in kritischen Situationen das Leben retten.» Weiter liegt ihm das Wohlbefinden der Mitarbeitenden am Herzen. So wurden Neubauten und Renovierungen durchgeführt, um die Arbeitsbedingungen für das Personal und die Zugänglichkeit für Patienten zu verbessern. Und Professor Dr. med. Yay Chantana, Spitaldirektor in Siem Reap, ergänzt: «In allen Bereichen bleiben die Stärkung der Professionalität, eine gute klinische Praxis, patientenorientierte Versorgung und Patientensicherheit eine zentrale Priorität, um die Qualität und das Vertrauen der Öffentlichkeit aufrechtzuerhalten.»
Die Kantha-Bopha-Spitäler erhalten auch namhafte Unterstützung und Spenden aus Kambodscha – von Privaten und auch von Institutionen. Dazu gibt es vor Ort die Cambodia Kantha Bopha Foundation, deren statutarischer Zweck die finanzielle Unterstützung unserer Spitäler ist. Alle Aktivitäten und Bemühungen der Stiftung tragen dazu bei, den Spitalbetrieb nachhaltig und langfristig zu sichern.
| * «Stiftung Kinderspital Kantha Bopha»: Die fünf Kantha Bopha-Spitäler in Kambodscha werden von der Schweizer Stiftung mit Sitz in Zürich verwaltet und begleitet. Ihre Aufgabe ist es, für die Weiterentwicklung der Betriebe zu sorgen und Spenden für ihre Aktivitäten zu sammeln. Vor Ort sind die Chefärztinnen und Chefärzte sowie der Generaldirektor für die Spitäler verantwortlich – sie haben die Leitung nach dem Tod beider Gründer im Mai 2020 übernommen. Alle Beteiligten – die Mitglieder des Stiftungsrates wie auch die Mitarbeitenden in Kambodscha – führen die Kinderspitäler im Sinne der Gründer weiter. Beat Richner und 9 würden sich freuen zu sehen, wie die nächste Generation mit Elan und Herzblut übernimmt. |
Quelle: https://www.beat-richner.ch/post/meilensteine-der-kantha-bopha-spitäler-gestern-und-heute, 29. März 2026
Die Geschichte von 1992 bis 2023 (Video): https://www.beat-richner.ch/post/meilensteine-der-kantha-bopha-spitäler-gestern-und-heute